Ich weiß nicht, warum ich mir das hier antue.
Youma war sich gänzlich im Klaren darüber, was er tat. Doch das hinderte ihn nicht daran es zu hinterfragen, denn er verstand nicht, wieso es geschah. Er verstand nicht, wieso sein Herz raste, wieso die Hitz ihm befiel, warum seine Hände zitterten, warum er den Blick nicht abwenden konnte, obwohl er doch—- auf so etwas Hässliches blickte.
Er hatte ihn schon nackt gesehen. Als er ihn vor fünf Monaten zurück ins Leben geholt hatte, hatte er genug Zeit gehabt um seinen Körper mit Abscheu zu betrachten. Die abgemagerten Beine; die Finger, die aussahen, als wären sie die Finger eines Skeletts. Jeder Zentimeter der Haut vernarbt, verkrüppelte Füße, spitz zulaufende Schulterblätter und sich deutlich abzeichnende Beckenknochen. Der angewiderte Halbgott hatte seine Rippen mit dem bloßen Auge zählen können, so deutlich zeichneten sie sich ab unter der vernarbten Haut dieses Dämons, den er sich als Partner ausgesucht hatte.
Angesichts dieser widerlichen Hässlichkeit war Youma angewidert zurückgewichen. Kälte hatte ihn befallen; Übelkeit. Er, der nie etwas unschönes hatte betrachten müssen, der immer nur sich selbst und den Körper seiner Schwester gesehen hatte, war entsetzt gewesen, dass so etwas Hässliches überhaupt existieren konnte.
Seine glühenden Augen, als er versucht hatte Youma zu töten – und natürlich gescheitert war – machten ihn nicht gerade hübscher.
Warum waren es gerade diese Augen von denen Youma sich jetzt, beinahe ein halbes Jahr später, nicht abwenden konnte? Warum spürte er jetzt gierige Hitze statt angewiderter Kälte?
Es war Silence‘ Schuld, sagte er sich – Silence war schuld an diesem— Unfall.
Es war in Aeterniya kein Geheimnis gewesen, dass Silence und er eine sehr leidenschaftliche Beziehung geführt hatten. Sie waren Experten darin gewesen, versteckte Ecken zu finden um die kleinsten Schlupflöcher im Tagesablauf auszunutzen um den Körper des anderen zu erforschen, zu huldigen und den jeweils anderen zu verwöhnen. Silence‘ Befriedigung war seine gewesen, wie umgekehrt. Ihre Körper waren sich so ähnlich, Spiegelbilder des anderen und genauso ähnlich waren auch ihre intimsten Wünsche. Der Drang nach dem Körper des anderen mussten sie nie in Worte fassen, nie darum bitten, nie lange warten – ein Blick hatte genügt und schon waren sie eins geworden mit dem Schatten und miteinander.
Das war nun schon fünf Monate her – nein, genauer betrachtet war das Äonen her.
Äonen in denen Youma nicht…
Der geplagte Teufelssohn hatte das Gefühl, dass er wahnsinnig wurde. Schwerer und schwerer war es geworden sich auf seine politischen Bestrebungen zu konzentrieren, fokussiert zu bleiben, mit den Augen aufs Ziel gerichtet. Seit seinem 12ten Lebensjahr hatten er und Silence miteinander gespielt – wie sie es am Anfang nannten, unerfahrene Kinder wie sie waren – und jetzt war er unfreiwillig in eine steinerne Abstinenz geworfen worden.
Silence wusste es. Sie hatte es ihm angesehen, als sie sich vor ein paar Tagen auf dem Schlachtfeld gesehen hatten. Breit hatte sie gegrinst; boshaft, kalt und schadenfroh.
„Ou, sehnt sich mein armer, großer Bruder etwa nach meinem Körper?“ Sie war näher herangeflogen und wenn möglich wurde ihr Grinsen noch breiter, angestachelt von der finsteren Miene ihres Zwillings.
„Ou ich könnte ja. Es gäbe ja eine Möglichkeit. Ich könnte mir ja Greens Körper ausleihen. Nicht gaaaaanz das gleiche, aber das würde dir wohl im Moment genügen, huh, Youma?“ Er hatte nicht geantwortet. Er wusste, dass sie ihn nur triezte – das Problem war nur: die hatte Erfolg. Silence hatte immer Erfolg: sie war die Meisterin des Trietzens.
„Aber ich glaube das bist du mir nicht wert.“
Eine kleine Stimme sagte ihm, dass er diese Worte verdient hatte zu hören, nach allem was passiert war – lauter war aber das Surren seines Sensenblattes, als er mit fletschenden Zähnen und glühenden roten Augen fünf Wächter köpfte. Aber selbst das und das Menschenblut, das an diesem Abend vom Wasser der Dusche von ihm gewaschen wurde, gab ihm wieder Erlösung noch Ablenkung. Silence‘ Spott echote durch seinen Kopf, ihr Grinsen zeichnete sich noch vor seinem inneren Auge ab.
„Du hast dir doch soooo einen tollen Partner zurück ins Leben geholt. Vielleicht kann er dir ja bei deinem kleinen Problemchen helfen?“ Sie hatte ihn ausgelacht und ihr Lachen wurde noch lauter in seinem Kopf, als Youma an diesem Abend aus dem Badezimmer kam und Nocturn mit einem Kaffee und einer Zeitung an der Theke sitzen sah.
„Der werte göttliche Prinz riecht ja schon wieder nach Blut. Weißt du… Die Pariser können nichts dafür, dass deine Pläne scheitern.“ Er setzte seinen Kaffee ab und sah auf, kreuzte Youmas Blick mit hochgezogenen Augenbrauen:
„Wenn du schon jemanden töten willst, dann such dir gefälligst deine Menschenopfer in einem anderen Land – oder töte Touristen, davon haben wir ohnehin genug. Das sind die Lauten. Die die immer mitten auf der Straße stehen bleiben.“ Er redete und redete. Aus diesem immer grinsenden Mund kamen immer nur belanglose Worte die niemand hören wollte, denen niemand zuhörte. Ein Wort nach dem anderen. Keines davon war von Bedeutung; keines davon hörte Youma, denn das Lachen Silence‘ war viel zu laut in seinem Kopf.
„Vielleicht schreckt das die Touris ja mal ab…“
Hatte sie sich Nocturn mal angesehen? Wie hässlich er war? Seine langen schwarzen Locken bestanden nur aus einem großen Haar-Wirrwarr, kannten keine Pflege wie es Youma vorkam… seine Magerheit fiel nicht so sehr auf, wenn er bekleidet war, aber sein Gesicht alleine war doch schon… und mit dem meinte Silence sollte Youma…?! Lieber erledigte Youma das Problem selbst— nein, nein, das tat er nicht. Nein, so tief war er nicht gefallen.
Aber – er biss sich auf die Lippen und starrte Nocturn grimmig an – Youma war doch viel zu schön für so etwas?!
Der Schmerz seiner Lippen weckte ihn und brachte ihn zurück in die Realität. Er schüttelte sich angewidert und ignorierte Nocturns fragenden Blick, der eigentlich auf einen verbalen Schlagabtausch hoffte. Er sah enttäuscht aus, als Youma sich einfach nur einen Kaffee einfüllte und in sein Zimmer ging; wütend, genervt – und überaus frustriert.
Er hätte einfach in seinem Zimmer bleiben sollen.
Aber eine Minute nach Mitternacht geschah der Unfall.
Youma hätte nicht aus dem Zimmer kommen sollen, aber er hatte es getan.
Nocturn war noch wach; war vertieft in seine Musik. Er trug Kopfhörer, saß an der großen Fensterfront des Wohnzimmers, mit dem Rücken zu ihm. Im Spiegelbild sah Youma, dass er genießend die Augen geschlossen hatte und von weit weg hörte Youma ein leidenschaftliches Pianospiel. Man könnte meinen er war eingeschlafen. Aber seine Finger bewegten sich auf der Lehne des Sessels, als spiele er selbst dieses Lied, dass aus seinen Kopfhörern drang. Er war entspannt, gab sich seiner Musik hin, glaubte wohl Youma schliefe – aber es dauerte nicht lange, bis er ihn bemerkte, sich erschreckte und die Kopfhörer herunterriss, plötzlich alarmiert aufstehend.
„Kronprinz, was…“ Überrascht und verärgert darüber, dass er überhaupt hatte überrascht werden könnten, ging er sofort in eine abwehrende Haltung; war plötzlich angespannt, statt entspannt, obwohl die Musik weiterspielte. Aber seine Haltung bröckelte, wurde zerschlagen wie Glas von einem einzigen Wort:
„Nocturn.“
Was auch immer Nocturn in seiner Betonung hörte, was auch immer er zu hören glaubte – es löste Erstaunen in ihm aus. Seine Augen weiteten sich, seine Wangen erröteten sich und für einen kurzen Moment sah er gar nicht so hässlich aus, schoss es Youma plötzlich durch den Kopf, als er sich in Bewegung setzte. Die Kopfhörer rutschten Nocturn aus der Hand, doch bevor sie auf den Teppich fielen, drückte Youma Nocturn schon mit seinen Lippen auf seinen an die kalte Fensterfront.
Youma hatte erwartet, dass Nocturn ihn angriff. Er hatte das Ausfahren seiner Fingernägel erwartet. Schmerzen. Irgendetwas.
Aber was er gewiss nicht erwartet hatte, was geschehen würde war, dass Nocturn nichts tat. Er blinzelte ihn an, ganz erstaunt, ja, unschuldig schon, als Youma kurz die Lippen von ihm löste, als wollte er Nocturn die Chance geben sich zu wehren; als würde er darauf hoffen, dass er ihn wegstoßen würde, es aufhalten würde.
Aber stattdessen war da nur ein kleines, geflüstertes Wort, begleitet von dem seichten Spiel eines fernen Pianos.
„Youma…?“
Ich weiß nicht, warum ich mir das hier antue.
Aber er tat es noch einmal. Er küsste Nocturn abermals, drückte seine Hände mit seinen an die Scheibe, verflochtete seine Finger mit seinen, als deren Münder sich öffneten, beide beinahe gleichzeitig. Sein Körper jauchzte auf vor Freude und schrien zu schreien – na endlich. Wie ein Ertrinkender drückte Youma sich an ihn, klammerte sich an seine dürren Finger, die ihn festhielten und die trotz aller Magerheit warm und immer wärmer wurden, umso länger der Kuss dauerte. Nocturns Finger waren beinahe heiß, zitterten, als sie mit einem leichten, gemeinsamen Aufstöhnen voneinander abließen und nach Luft schnappten.
Nocturn keuchte leicht und unterdrückt. Nicht sonderlich laut, nicht irritierend so wie seine Stimme sonst immer klang – nein, viel eher süß.
Gott, was dachte Youma da?!
Aber egal wie laut er sich selbst versuchte anzuschreien, er konnte die Hitze nicht wegreden, konnte nicht wegreden, dass er sich von dem Gesicht des hässlichen Dämons nicht abwenden konnte. Nocturns Gesicht war rot, seine roten Augen glasig, wässrig statt feurig und immer noch leicht geweitet, als verstünde er nicht, was sie gerade getan hatten, dabei musste er Youmas Geschmack genauso auf der Zunge tragen, wie er seinen.
Eine leichte Verunsicherung lag in Nocturns Blick, in seiner Erscheinung. Er sah gar nicht so aus, wie immer, obwohl er seinen schwarzen Rollkragenpullover trug, den er eigentlich immer trug, wenn er Zuhause war. Eigentlich war an seiner Erscheinung nichts anders – und doch konnte Youma sich nicht abwenden. Er sah das leichte Zittern, spürte noch seine heißen Finger zwischen seinen, doch viel intensiver war der Geschmack… der Geschmack Nocturns auf seiner Zunge, der so süß war, als hätte Nocturn ihn vergiftet. Sah er ihn deshalb plötzlich so… anders? Konnte er sich deshalb plötzlich nicht mehr abwenden, als wäre alle Hässlichkeit verschwunden? Nein, hässlich war er immer noch. Aber so sehr Youma sich versuchte seine Narben und seine hervorstehenden Knochen ins Gedächtnis zu rufen, die sich unter seinem schwarzen Stoff verbargen, es funktionierte nicht. Er starrte in seine Augen und dachte nur eins:
Er sieht wegen mir so aus.
Der Dämon, der mich immer nur nervt, der mich immer zur Weißglut treibt, der sich nie an meine Pläne hält, der mich immer nur verspottet, mir immer nur auf der Nase herumtanzt… dieser Dämon sieht wegen mir so…
Youma musste schlucken. So süß aus.
Endlich war da kein Lachen mehr. Kein Hohn, kein Spott. Nocturns tausende Worte waren versiegt. Kein nerviger Widerwille mehr. Youma hatte das wahnsinnige Monster mit einem Kuss… gezähmt.
„Youma, was…“
Wenn es in einem Unfall mehrere Etappen gab, dann begann mit diesen zwei Worten die zweite Etappe.
Und ein Unfall folgte dem nächsten.
Und noch einer.
Und noch einer.
“Silver und Green. Das waren die einzigen Wesen, die eine solchen Schwung an Gefühlen in Blue auslösen konnten: Ri-Il hatte es mehr als einmal in seinen Gedanken und in seiner Gefühlswelt beobachten können. Wenn von ihnen die Rede war, dann wurde so vieles für Blue unwichtig und plötzlich zog er auch die Schultern hoch und das obwohl da keine Drohung in der Luft gehangen hatte.
Wie auch immer dieses Mädchen es geschafft hatte, den Kopf seines so vernünftigen und klugen Schülers zu verdrehen, sie hatte es geschafft – und das glich einer Glanzleistung, die Ri-Il absonderlich fand; absonderlich, eigenartig, interessant auch, aber auch sehr bedauerlich. Einige Personen sollten sich nicht von ihrem Herzen leiten lassen.”
- Chapter 121 “Im Schein der roten Lampions”
„Ist das dein Ernst? Du machst Nocturn ein Geschenk? Du?“
Es stand Blue sehr deutlich ins Gesicht geschrieben, dass er dieses Gespräch am Morgen des 21igsten Dezembers nicht führen wollte. Er sah so gar so beschämt und unzufrieden aus, dass man meinen könnte, dass er das Gespräch am liebsten abbrechen würde um sich in seine Kammer zurückzuziehen, aber auch wenn Blue und Youma jedem Gespräch aus dem Weg gingen – besonders wenn sie nur zu zweit waren – seine Würde und seine Höflichkeit geboten ihm standhaft zu bleiben und den Blickkontakt mit Youma nicht abzubrechen, obwohl dieser sehr unbehaglich für ihn war. Noch nie hatte Youma Blue mit erröteten Gesicht gesehen. In der Regel kannte er ihn eher als bleich und etwas kränklich wirkend – ihn jetzt mit roten Wangen zu sehen ließ ihn weniger ungesund wirken, auch wenn er sich deutlich unwohl fühlte in seiner Haut.
„Du beteiligst dich an dieser unsinnigen Menschentradition?“ Der Dampf des Kaffees schlängelte sich von Youmas Tasse empor, doch er hatte noch keinen Schluck von diesem genommen, obwohl der Geruch sich bereits wohltuend in der kleinen Küche verteilte.
„Meine Mutter wuchs in Europa auf. Das Weihnachtsfest und die damit verbundenen Traditionen sind daher kein Fremdwort für mich“, stellte Blue in seinem sachlichen Tonfall fest:
„Das Weihnachtsfest wurde in meiner Kindheit gefeiert.“ Youma war zu sehr damit beschäftigt das Wort „Europa“ zu platzieren – von dem er sich sicher war, dass er es schonmal gehört hatte – als dass er darauf geachtet hätte, dass Blue sämtliche Röte plötzlich verlor.
„Trotz…“ Blue sah weg und sein Gesicht war nun bleich wie ein Leichentuch:
„… allem.“
„Das hier ist es.“ Mit ausgestreckten Fingern schob Green ein auffällig rotes Buch über den Couchtisch, bis es in der Mitte des Tisches lag. Dunkelrotes Leder, goldene Lettern, in einer Schrift verfasst, die die beiden Brüder nicht lesen konnten. Ein einzelner Strich markierte, dass es sich hier um den ersten Teil einer Serie handelte – der wohl bedeutsamsten Buchreihe des Wächtertums, wenn man von dem heiligen Regelwerk absah.
„Das ist…“, begann Siberu sich etwas verwirrt vorantastend:
„… die Dämonen-Enzyklopädie, oder?“ Gary warf seinem Bruder einen kurzen Blick zu, ohne etwas zu sagen. Sein Gesichtsausdruck verblieb ernst, während Green nickte – im Gegensatz zu Gary war sie überrascht, dass Siberu das Buch erkannt hatte.
„Der erste Band um genau zu sein. Geschrieben von meinem werten Onkel Hizashi“, fügte sie etwas säuerlich hinzu, ehe sie das Buch auf der Seite aufschlug, die sie mit einem Lesezeichen markiert hatte. Gary hob die Augenbraue – nicht wegen dem, was er in dem Buch sah, sondern etwas erstaunt und begeistert von Greens Vorbereitungen. Dieses Gespräch, das gesamte Thema, war ihr wirklich außerordentlich ernst – verblüffend, immerhin interessierten sie die meisten Konflikte der Wächter wenig und deren Geschichte bezog sie nicht auf sich selbst, empfand sie nicht als ihre eigene. Doch die Geschichte Aeterniems war ganz offensichtlich etwas Anderes für Green, dachte Gary erstaunt, und eher sie ansehend als das Buch. Anders als Siberu, denn er sah stirnrunzelnd auf das Buch, so als gäbe er sich größte Mühe, die Schriftzeichen der Wächter zu verstehen, denn Bilder waren keine zu sehen.

In order to celebrate my first day in Norway, I decided to share this story with you! Its a short story about the harmful hobbies of one certain demon king, how Ri-Il still manages to have fun and about some certain item that will be somehow very important for future happenings in DeA! It gives some forbidden insights of certain demons…
And, btw I decided two group my demon centric sidestories under the name “Demon Stories” /o/~ there are just three so—
—– enjoy~!
„Nur noch 24 Stunden. 24 Stunden. Das überlebst du, Light… Gaaaanz ruhig…“ Light wollte nicht in Erememiya sein. Er wollte in Aeterniya sein. Verzweifelt versuchte er, dem die politische Verantwortung ohnehin eine Last war, sich auf das Thema zu konzentrieren, welches immerhin von so großer Bedeutung war. Aber den namenlosen Dämonenherrscher zu sehen, seine gute Laune, die wohl niemand nachvollziehen konnte… dies genügte, um Light wieder an die Gefahr zu erinnern, die dunkle Wolke, die über den Köpfen seiner Familienmitglieder und ihm hing. Aber eigentlich musste Light sich keine Sorgen machen: der namenlose Dämonenherrscher war hier, vor ihm, weit entfernt von Aeterniya. Gut gelaunt über die hitzigen Diskussionsthemen und die verzweifelten Gemüter, als wären diese sein Lebenselixier – und wenn die Diskussionen in eine gute Richtung gingen, dann flaute seine gute Laune ab und er sah wieder gelangweilt aus.
Jedenfalls war das Lights Auffassung… vielleicht war er zu negativ. Vielleicht verurteilte er ihn zu Unrecht. Er war der Herrscher über die Dämonen, die in eine grauenhafte Ecke gedrängt worden waren – das konnte doch auch er nicht als wünschenswert empfinden. Light musste sich irren… und er musste aufhören, sich konstant zu Silence und Youma zu wünschen. Die Dämonen hatten nicht viele Befürworter auf der Seite der Wächter. Sie brauchten ihn. Das war er ihnen schuldig und das war er auch Youma schuldig, dachte Light, als er sich aufrichtete, um sein Wort vorzutragen.
Für ihre gemeinsame Zukunft.
„Und dann hat Silence JA gesagt!“
Green fiepste vor Freude, als sie endlich bei einem ihrer Lieblingsthemen angelangt war - der Liebe. Endlich konnte sie von der geplanten Hochzeit Silence‘ und Youmas reden und sie ließ dabei absolut kein Detail aus; wahrscheinlich hätte sie ihre Erzählung am liebsten noch mehr ausgeschmückt, aber so ganz vergaß sie dann doch nicht, dass Silence ebenfalls im Raum war und sich diese schmachtende Beschreibung genauso anhören musste wie Siberu und Gary. Gary nahm jede Information auf, die er bekommen konnte; Siberu dagegen würde am liebsten das Thema wechseln, aber Green ignorierte seinen Blick und erzählte mit großer Freude davon, wie die unschuldige Geschwisterliebe der beiden Zwillinge zu einer wahren Leidenschaft geworden war, die sich – so ihre Worte – von keinen Zwängen des Blutes zurückhalten ließ! Oder von den Blicken anderer, die voller Neid und auch Abscheu waren – Silence grinste bei diesen Worten – da einige der Meinung waren, dass diese beiden Zwillinge ganz gewiss kein Liebespaar sein sollten… und erst recht keine Kinder in die Welt setzen dürften. Nicht, wie Menschen denken könnten, weil sie blutsverwandt waren, sondern weil sie sich schlichtweg zu ähnlich sahen. Auch noch im Alter von 20 könnte man fast annehmen, dass die beiden das Spiegelbild des anderen seien.
„Zu ihrem 20. Geburtstag hat Youma Silence endlich einen Antrag gemacht und sie hat angenommen! Hach!“ Green legte sich die Hand an die Wange:
„Es war sicherlich ein wundervoller, romantischer Moment! Ob er vor ihr auf die Knie gegangen ist?“ Green warf Silence einen Blick zu, um ihr unmissverständlich zu verdeutlichen, dass diese Frage an sie gerichtet war, aber Silence ignorierte die strahlenden Augen ihres Mediums mit einem zerknirschten Lächeln – diesen Gefallen tat sie ihr nicht.
„Green-chan, also…“ Siberu versuchte Begeisterung vorzugaukeln, aber Gary sah ihm deutlich an, dass dies nur gespielt war, ebenso wie Green.
„… ich weiß ja, dass das Heiraten der Traum fast jeden Mädchens ist…“ Green sah mit funkelnden Augen kurz Gary an, der von diesem Funkeln aber deutlich überfordert war.
„… aber Inzest. Also… Inzest.“ War für eine Artikulierung, dachte Gary und füllte sich lieber schnell Tee nach: eigentlich liebte sein Bruder es doch, Grey eine inzestuöse Liebe vorzuwerfen und tat das auch mit großer Wortgewalt – aber vor Green versiegte diese scheinbar.
„Das ist doch… nichts für dich, oder Green-chan?“ Die Angesprochene blinzelte verwirrt. Angespannt hielt Siberu die Luft an – und Gary ebenfalls… ein wenig.
„Also…“ Green hob den Kopf und sah zuerst nach links, dann nach rechts…
„… wenn beide sich lieben, dann finde ich Inzest unter Geschwister vollkommen in Ordnung.“ Gary sah verstohlen zu seinem Bruder: Das war nicht die Antwort, die er sich erhofft hatte - er war sogar ein wenig bleich geworden.
„Und Silence und Youma waren so ein schönes Paar: da ist es doppelt in Ordn…“
„Green.“ Die übereifrige Kupplerin schwieg, als sie Silence‘ Stimme in ihrem Ohr hörte. Ein einziges, ernstes, ruhiges Wort – aber es genügte.
„Ich finde, du kannst das Thema wechseln.“ Green nickte kaum merklich und tat es, dem Wort ihrer Freundin folgend… welche wieder aus dem Fenster sah, wo der Mond aufgegangen war und strahlend hell vom Himmel herableuchtete.
Ja, welch schönes Paar sie gewesen waren…
Some weeks ago my mother and I had a conversation that left quite some impression on me. It started at our usual breakfast.
Me: I need to go. I have to draw before work.
She: Why do you sound so down about that? Isn’t drawing enjoyable for you?
Me: Enjoyable? No. Not at all. Its endurement and pain that one does in order to see the final result.
She: You didn’t used to think like that. Wasn’t drawing… fun for you?
And there I realized it. Not that drawing isnt fun for me, I knew that since quite some time - but that it used to be different. There has been a time where I LIKED to draw. Where I thought about it as fun - and not as a duty.
So when I looked back at all the pictures I did in the past year I understood what has happened… nearly every picture makes me down, outright depressed and sad. And I thought “Why? Why do I think so negative about those pictures I spend hours and hours on?”
The answer is quite easy actually.
You know… back in time I drew what I wanted to draw and everybody where happy with the motives I’ve chosen to use my time and effort on. Four years ago my interests started to shift. I started to get interested in BL more then in NL, started to ship Nocturn and Youma; started Opus Magnum and Pianist. Many where not happy about that. They where so not happy about that that I got asked that I please go back to my old motives. I felt ashamed of what I liked and what I drew. I where sorry. Deeply sorry. I felt like a traitor. I made extra accounts for my new interessts so that nobody should be annoyed. I locked my passion and my feelings away as good as possible. The plan was, that I should just fill those accounts with my new passion and ideas: but it didn’t worked. I felt locked away and ashamed every time I dared to draw Youma and Nocturn.
I told myself that I should only use my effort and my time on motives everybody would find enjoyable. So with every picture I worked on and uploaded I thought about making other people happy. All those pictures where like presents for other people… except that nobody seemed to care. Looking back on the pictures I drew in 2018 there are soooo many where I sat down and thought “Oh, this will make person x happy, because I added character y!” But no. Just no. I didnt happend. My present wasn’t…. making anybody happy.
And I dont think you realize that this present… is a sacrifice.
A sacrifice of my time. The time I could have used to draw something that is a present for me. Something that has no other purpose then making ME happy. I know that there are plenty of reasons to not react on a picture. No time for example. But I also dont have time! I work 37 hours and sometimes more just like everybody else does. I am really good at managing my time. I am good in negleting my bodies need for some relax-time. Sometimes I even take arguments in order so I can draw. For who? For You.
Yes. For you.
Not for me.
And yes, I did draw Glasshipping and Königsshipping the past year. But everytime I did I searched for some excuse that would “allow” me to draw my OTP. Like “Tekuu asked me” or… if I just couldnt take it anymore. I am a human. I am a fan just like you. I am also a Person that needs her OTP. And while all of you can just search on the internet for content and read fanfictions and find beautiful FanArts on Pixiv I cant. If I am in the need for my OTP I need to create something myself. But everytime I did I couldnt enjoy it. I stared at the pictures on the edge of tears, ashamed of myself, feeling like a traitor. I cannot count how often I have deleted tweets in which I expressed my sadness and frustration and yes… anger as well.
And my anger rose. “Why am I doing this?” “For what!” “Noone is thanking me!” “Nobody cares!”
Do I hate my other characters? NO! No I freaking dont! Do I not care for them anymore? OF COURSE I DO! But every time I draw and I look at those pictures all I can think of is “Nobody will be happy again. Nobody will care. You did this for nothing.”
And I cant continue this anymore.
Guys, I am sorry, but I really cant.
I want to go back to draw what I want. I want to enjoy drawing again. I want to smile while drawing. I dont want to feel ashamed. I dont want to be pissed at other persons. I dont want to suffer anymore. I dont want to cry on my Cintiq or my sketches.
I used to love drawing so much. I want that back.
I am not a professional. I am not getting paid for my work. I am not a slave. I am not a drawing-machine.
I am sorry that I cannot deliver you a “good service”. That I cannot draw every character all the time. I am sorry that I wont be drawing your favourite character or shipping. But this cannot continue. This is unhealthy for myself and also for my creativity.
So in the up-coming year I will draw whatever I like. And if I want to draw 50 Glasshipping-Kisses in a row I will freaking do that. I will continue to draw the chapter-pictures and of course I will continue with writing DeA.
But everything except that?
Is only up to one person.
ME.
So if you dont want to see 50 Glasshipping Kissing Pictures in a row feel free to un-follow me now.
Diese “Fanfiction” ist eine Aneinanderreihung von Tweets und DMs vom 17.12.2018, lose zusammengehörige Szenen als “Fragmente” mit zeitlichem Abstand, sprunghaft in der Form… aber voller Glasshipping! ♥
Fragment 15
Wenn sie im Gebiet von Eis und Schnee zu Besuch waren, hörte Nocturn oft ein geseufztes „unnahbar“ in den Gedanken der Frauen, die sie umgaben und die Youma scheue oder auch mal flammend kokettierende Augen machten, wenn er ihnen höflich entgegentrat. Nocturn verzog triumphierend das Gesicht, während er seinen Kakaobecher wie zur Bekräftigung motiviert schwenkte und die übergelaufene Sahne mit dem Finger bespielte: absoluter Unsinn. Es gab so viele Arten, Youma aus seiner vorgegebenen Reserve zu locken… und Nocturn, der mit einem spitzbübischen Grinsen nun an seinem mit Sahne, Zimt und Mandelkernen garnierten Kakao nippte, war zu einem Experten auf dem Gebiet avanciert. Es hatte eben schon seine Vorteile, einen Kronprinzen in der Wohnung zu halten! Er sah die merkwürdigsten Dinge als Affront an, ließ sich trotz all der Beleidigungen und Neckereien immer noch von beiläufigen Worten mitreißen – selbst, wenn Nocturn es nicht einmal darauf anlegte – und der Flötenspieler fragte sich belustigt, wie und wo der Kronprinz überhaupt allein hatte überleben können mit seiner feinen Art. Aber das waren Geheimnisse für spannendere Enthüllungsmomente… und die Hauptsache war, dass diese Vergangenheit Schatten auf den Albtraumgeplagten warf und ihm selbst einen dramatischen Winkel bot, offene Wunden, in die Nocturn seine Nägel bohren konnte… oder auf die Schnelle mit einem Kosenamen Salz streute, wieso auch immer das noch funktionierte.
Fragment 452
Nocturn sieht Youma am Fenster stehend vor dem leuchtenden Paris, beschienen vom Mondlicht, mit einem sehnsüchtigen Blick etwas am Firmament sehend, was Nocturn verborgen bleibt. Ihm schießt „Er ist wie ein ferner Stern“ in den Kopf, aber verärgert über sich selbst zieht er Youma damit nicht auf. Es klingt irgendwie nicht so, als dürfe es ausgesprochen werden. Wie ein Geheimnis, das es nicht geben darf. Wie ein Kosename, der nicht bei Youma Salz streut, sondern bei Nocturn selbst. Und das… ist nicht gut. Es zieht. Aber der Kosename verschwindet am Tag. Da ist Youma der Schnösel, der Kulturbanause, der Möchtegernkönig, der kämpft wie ein unfähiges Gör mit der Magiegewalt eines Fürsten. Ein Stern ist er nur nachts, manchmal. Nur für Sekunden, wenn er vor dem Fenster steht und Nocturn noch nicht bemerkt hat. Es ist Nocturns kleiner Zaubermoment, sein Geheimnis – eines, was er nicht hergeben mag und eines, das er auch genauso schnell wieder vergisst. Wegsortiert. Es ist gedanklich in der rumpeligen Kiste aufbewahrt, die der Kronprinz in die kleine Welt im Apartment 667 gebracht hat und auf der in schnörkeligen Lettern „Mysterien“ stehen würde. Und dieser Gedanke bringt Nocturns Miene dann auch wieder zu einem Grinsen und die Worte auf seiner Zunge lockern sich, um sich wie ein Schwall über dem Prinzen zu ergießen, ihn zu piksen, an den wunden Punkten zu zerren und nach Blut zu nippen. Manchmal gibt es statt blauem Blut aber nur ein Lächeln zurück, beiläufige Worte, die sich zu Gesprächen reihen. Youma ist nun einmal merkwürdig.
Fragment 3454
Youma war nicht aus dieser Zeit. Nicht einmal aus diesem Jahrtausend. Nocturn war über diese versehentliche Beichte nicht so überrascht, wie er es wahrscheinlich sein müsste. Er ging nicht an der Seine entlang, weil er dieses Wissen verarbeiten musste… zumindest nicht so, wie Youma wahrscheinlich dachte, der dabei merklich verletzt ausgesehen hatte. Oder weil er kühle Abendluft schnappen musste. Nocturn wollte alleine träumen… „wie ein Stern“. Das war ein schönes Sinnbild für jemanden aus ferner Zeit, so offen vom Tod umrankt… da hatte ihn seine kreative Ader wohl nicht im Stich gelassen, hihi. Nocturns Augen nahmen einen verträumten Ausdruck an, während er dem Licht der Straßenlaternen zusah, das von den sanften Wellen verzerrt wurde. Starben Sterne nicht, wenn sie zu Sternschnuppen wurden, verglühten und fielen? War Youma verglüht, um in diese Zeit zu kommen? Und was war die Schuld eines „Sterns“? Vielleicht würde er Youma nun doch einmal bei diesem Namen nennen… das Sternenkind. Oder ihm davon beiläufig erzählen, umwoben von so vielen Worten, dass der Kunstbanause gar nicht mehr wusste, worum es eigentlich ging. Aber von der Sternschnuppe, von dem Stern, der fallen musste, damit Nocturn ihn nun bei sich haben konnte, nicht.
[[ … vielleicht waren sie sogar beide Sternschnuppen. Wiedergeboren, wandelnd in Zeiten, die eigentlich nicht ihre waren, in einem menschlichen Apartment in der schönsten Stadt der Erde lebend, um eine ferne blutrote Welt zu erobern, die das eigentlich gar nicht wert war. Nocturn lächelte. Sein Wahnsinn hatte noch nie so abstrus geklungen.]]
This is the most beautiful thing for my Glasshipping-loving heart ;w; I love, love LOVE everything about it - but esspecially the WORDING! All these small hints, hidden in the words… aaaaah I cannot stop reading it. My heart craved for it and I cries everytime I read just a sentence from it ;w; beautiful, beautiful fragments, that - even though they are short and just thoughts - shows a Development in their relationship or rather… in the way Nocturn sees Youma and thinks about him. My fave is the last paragraph. Yes, Nocturn, you two are the most craziest thing you could ever think off… But something must also have changed in Youma or else he wouldnt have told Nocturn about some fragments of his past and he is sad when Nocturn leaves
You said to me that this would be “Kitsch”, but this is the best kind of Kitsch I could ever have asked for ;w;
Green beobachtete ihre beiden Halbdämonen genauestens in
der Pause, die sie nun einlegte. Beide sahen sehr aufmerksam aus und sogar
Siberu, von dem sie nicht geglaubt hatte, dass es ihn besonders interessieren
würde, hatte ihr wie Gary die gesamte Zeit zugehört, ohne Fragen zu stellen.
Aber jetzt stand eine Frage in sein Gesicht geschrieben und Green wusste genau,
was er eigentlich fragen wollte – er wunderte sich darüber, dass Green
pausierte und natürlich weshalb sie die beiden so aufmerksam musterte.
Sie konnte ihm diese Frage nicht beantworten; stattdessen nahm sie ihre mit Tee gefüllte Tasse und trank etwas, um davon abzulenken, dass sie das kommende Thema bedrückte. Es bedrückte sie, weil sie zwei Halbdämonen vor sich sitzen hatte und sie sich plötzlich fragte… welche Probleme sie eigentlich mit ihrem geteilten Blut gehabt hatten. Vielleicht sollte sie diesen Teil der Geschichte lieber überspringen… aber nein, er war wichtig: zu wichtig, um ausgelassen zu werden.
„Wurdet ihr jemals „Halbkinder“ genannt?“ Gary, der dieses Thema wohl kommen gesehen hatte, antwortete ohne Umschweife:
„Nein. Dieser Wortlaut ist nicht geläufig und so wurden wir nie betitelt.“ Green sah in Garys ernstes Gesicht, in seine tiefen, grünen Augen und fragte sich kurz, was diese Augen eigentlich schon gesehen hatten – zu viel sicherlich.
„Das klingt ja schon fast niedlich“, lachte Siberu, aber sowohl Green als auch Gary fiel auf, dass er etwas steif klang – aber keiner der beiden hatte gemerkt, dass er kurz weggesehen hatte.
„Es war leider nicht ganz so niedlich, was den beiden Zwillingen widerfahren ist.“
„Du brauchst keine Rücksicht auf uns nehmen, Green.“ Green sah Gary zunächst verwundert an – aber dann musste sie ein wenig in sich hinein schmunzeln. Er hatte sie also mal wieder durchschaut. Ha, natürlich hatte er das…
„Gut.“ Green sah wieder zu Silence, die ihr leicht zunickte:
„Dann springen wir jetzt zwei Jahre vorwärts.“